Der Aluhut steht uns nicht gut.

Ein Beitrag von Mandy.

Gestern hatte ich einen Beitrag über Aluhüte angekündigt, über Verschwörungstheoretiker und die Rückwärtsentwicklung unserer Gesellschaft. Ich hatte darauf hingewiesen, dass dieser Text Sarkasmus enthalten könnte. 

Dieser Text wird nicht erscheinen. 

Weil ich glaube, es gibt genug davon. Zu viel bittere Ironie, zu viel verwitzelte Beiträge über Menschen, die anders denken. Da braucht es nicht noch einen aus meiner Feder. Aus unserer. 

Das Heute steht für die kleinen, feinen Alltagsgeschichten, für den Gedankenkaffee, für Mutmacher und den kleinen schokoladigen Seelentrost.

Aber nicht dafür, sich über Menschen lustig zu machen, die andere Wege suchen, weil sie ihren eigenen verloren haben. 

Versteht mich nicht falsch, ich bagatellisiere keineswegs, ich nehme niemanden in Schutz, der sich gerade radikalisiert und in den Untergrund abtaucht. Um von ganz unten phönixgleich empor zu steigen, getragen von dem Gedanken der letzte Retter der Menschheit zu sein. Genaugenommen ängstigen mich solche Menschen, weil sie für mich unberechenbar sind. Und ich denke, dass sie Hilfe benötigen, statt Häme und Spott. Oder schlimmer noch, Unterstützung finden in ihrem Tun. Doch selbst jetzt fälle ich ein Urteil, in dem ich annehme, im Recht zu sein. Diese Zeit ist sehr wunderlich. Es ist eine Zeit der Extreme und des Ungleichgewichtes. Das empfinde ich nicht allein so. Eine Krise bedeutet eine Bedrohung und seit jeher ist der Mensch in dem Fall einer Bedrohung auf Flucht eingestellt. Doch wohin, wenn es noch keinen sichtbaren Weg in die Zukunft gibt? Wohin mit den eigenen Ängsten, wohin mit dem Kummer? 

Es werden bestenfalls Antworten gesucht und die Möglichkeit, zu verstehen. Und Antworten gibt es unzählig viele im Internet. Weil jeder sich präsentieren darf, seine Gedanken kundtun, sein Wissen in die Welt tragen. Ich nehme mich davon nicht aus. Doch wie dann unterscheiden, was richtig und was falsch ist? Denn wenn jeder glaubt im Recht zu sein, stimmt das aus jedweder Sicht vielleicht auch? 

Ich hatte unlängst einen länger dauernden Zwist mit einer Freundin. Irgendwann haben wir uns zusammengesetzt und unsere Karten auf den Tisch gepackt. Wir haben geredet und zugehört. Um am Ende festzustellen, dass jede aus ihrem Blickwinkel betrachtet, recht hatte. 

Was also, wenn überall ein Krumen Wahrheit ist und all diese Krumen zusammengetragen die ganze Wahrheit ergeben?

Ich frage und hinterfrage gern. Ich benutzte meinen Kopf nicht nur zum Tragen von Hüten und Frisuren, vorzugsweise sogar zum Denken. Ich gehe nicht mit jeder Aussage oder Meinung einher, sondern betrachte sie wie ein neues Kleid von allen Seiten, prüfe das Material und ob die Pflege mir mehr Arbeit macht, als das Vergnügen das Kleid zu tragen. Zuletzt schaue ich auf den Preis und ob ich diesen vertreten kann. Wenn dann alles stimmig ist, trage ich das neue Kleid und meine Meinung gern zur Tür heraus.

Während ich hier über Krumen und Kleider philosophiere, arbeiten Menschen daran, die Welt wieder ein Stückchen erträglicher zu machen. Es sind Ärzte und das Krankenhauspersonal die über ihre Belastungsgrenze hinaus helfen – und das nicht erst seit Corona. Es ist die Bäckersfrau, die selbst durch einen Mund-Nasen-Schutz noch lächelt und der Friseur um die Ecke, der mit seinen Wunderhänden und dem neuen Haarschnitt kurz den momentanen Alltag vergessen lässt. Es ist die Postfrau, die noch immer den Hund mit Leckerli locken möchte, obwohl er sie seit Jahren klischeebehaftet anbellt. Es ist die Oma ganz unten im Erdgeschoss, die nicht müde wird uns jeden Morgen einen schönen Tag zu wünschen. Mit weit geöffneten Fensterläden und einem herzlichen Lachen. Ich bin dafür die Herzen weiter zu öffnen, denn diese Welt wird nicht durch Häme, Spott oder Gewalt eine bessere, sondern durch Liebe und Herzlichkeit. Durch Verständnis und Solidarität.

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